ver-ortete Geschichte(n) | Ort 1: Grassmayrstr. 23
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Ort 1: Grassmayrstr. 23

Nachtrag und Informationen zum ersten ORT
und Projektauftakt am 28.Mai 2015


Das Areal Grassmayrstr.23
hat ein bewegte Geschichte – heute ist auf ca. der Hälfte des Geländes (Richtung Südring) der Kulturverein Brache angesiedelt, der das „Motel“ als Zwischennutzung betreibt und so nicht gewinnorientierten Initiativen (günstigen) Raum bietet, um Neues entstehen zu lassen. Am Gelände ist zur Zeit zum Beispiel das studentische Architekturkollektiv „Kraterfayan“ und die erste Innsbrucker Lebensmittelkooperative, die „Kooperation zum Fruchtgenuss“, aktiv. Außerdem finden verschiedene Veranstaltungen – inzwischen bevorzugt tagsüber – statt. So zum Beispiel am 27.Juni 2015 das „Grand Motel Festival“. Noch eine Gelegenheit, sich unsere inzwischen fest installierte Tafel (siehe Galerie) mit Auszügen zur Nutzung des Geländes anzusehen.

Aber auch nach unserer wunderbaren Auftaktveranstaltung (danke!) haben wir noch neue Informationen zur ehemaligen Nutzung des Geländes erhalten – und die möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten. Außerdem hatten natürlich nicht alle schönen Zitate aus den Interviews Platz auf unserer Tafel vor Ort – deswegen haben wir euch noch einmal ein paar interessante Daten und Interviewinhalte ausgesucht.

Geschichte(n) nachlesen:

Die Geschichten zum Ort kann man auf der Tafel nachlesen: entweder vor Ort wo die Tafel jetzt dauerhaft angebracht ist, oder hier als PDF:

Info-Tafel zur Nutzungsgeschichte des Ortes

Überblick

Das ganze „Eck“, in dem sich heute die Grassmayrstr. Befindet, inklusive Areal in Richtung Frauenanger und der abzweigenden Neurathgasse war schon früh „verrufen“. Die alte Bahnführung trennte das „Eck“ ab, man war sehr exkludiert von der Stadt, ab ca. den 1960ern wurde die Bahnführung geändert. (ZeitzeugInnen, Stadtarchiv, Innsbrucker Alltagsgeschichten, Luftbilder Amt der Tiroler Landesregierung)

Ab 1970 scheint die Brauerei Gösser unter dieser Adresse in alten Innsbrucker Adressbüchern auf, zum genauen Zeitraum gibt es keine verlässlichen Quellen – auch im Gösser Museum in Göss kann man keine genauen Angaben machen. Späterer Besitzer des Grundstücks ist die Brauunion, die Gösser übernimmt. (ZeitzeugInnen, Stadtarchiv)

 

Von 1986 – 1989 ist die Freie Walddorfschule Innsbruck am Areal eingemietet, auf der Seite die Richtung Bergisel zeigt. Nach langem Suchen findet das Gründungsteam der Walddorfschule im Herbst 1986, kurz vor Schulbeginn, endlich diesen Standort. Das Areal gehört zu diesem Zeitpunkt noch Gösser, auf alten Bildern der Walddorfschule (Gertruida Porpaczy) kann man noch das Gösserlogo erkennen.

 

Dann ist der Schulbeginn immer näher gerückt, also es war Sommer, und wir hatten noch immer keine Schule.“ (…) Und das hat bedeutet, dass vier Wochen vor Schulbeginn der Pachtvertrag da unterzeichnet worden ist und in diesen vier Wochen musste natürlich das Gebäude adaptiert werden. (…) „Und des war ne sehr stressige Zeit aber auch ne richtige so Pionierzeit, wo Eltern nach Ihrer Arbeit, da in der Freizeit hergekommen sind und da mitgeholfen haben. Zahnärzte, einer der praktisch in den Zähnen herumgebohrt hat, hat am Abend weiter gebohrt (…) (lacht) mit‘m Bohrer und mit‘m Presser (…) da haben alle zusammen geholfen (…) und nach 5 Wochen, also mit einer Woche Verspätung, haben wir dieses Schulgebäude so in unserem Sinne gestaltet (…) Das war im Herbst 1986.“ (Herrmann Hauser, Gründungskollegium Walddorfschule über die Gestaltung des Schulgebäudes)

 

„…der Obmann. Er hat es irgendwie ausgespitzt. Der Grund hat Gösser gehört. Die haben uns ein äußerst günstiges Angebot gemacht. Es war wenig zu zahlen, die waren recht nett, die haben uns fast gesponsert eigentlich (lacht).“ (Johann Porpaczy, Elternteil Walddorfschule)

 

Der Umbau war nicht immer problemfrei – handwerklich begabte Eltern wurden deshalb bevorzugt aufgenommen 😉 :

„Wir hatten unser Kind noch nicht in der Schule. Wie wir unseren Sohn für das nächste Jahr angemeldet haben, habe ich gesagt dass mein Mann Heizungstechniker ist, da haben sie ihn gleich schon adoptiert was das anbelangt.“ Johann Porpaczy: „Ja, weil sie die Heizung da nicht gehabt haben, die musste erst gemacht werden.“ (Gertruida Porpaczy, Elternteil Waldorfschule)

Die Walddorfschule übersiedelte 1989 in die Jahnstraße in Innsbruck, der Standort in der Grassmayrstraße war stets als Zwischenlösung geplant.

(Eltern und MitarbeiterInnen der Walddorfschule)

 

Vom Besitzer der Firma „Futurestyling“, die ebenfalls einmal an der Adresse beheimatet war, haben wir nach unserer Auftaktveranstaltung per Mail noch einige spannende Informationen bekommen, z.B.:

„Der Brauerreibetrieb (Anmerkung: von Gösser) wurde aber dann eingestellt und nur noch das nördlich gelegene Auslieferungslager von Gösser genutzt. Erster Mieter des übrigen Geländes war Herr Niederkofler mit seinem KFZ-Meisterbetrieb, der dann in die Valiergasse übersiedelte und auch die Nissanvertretung übernahm. Dann kam ich mit der Firma Futurestyling, KFZ-Spezialumbauten, Lackiererei-Spenglerei und Handel. Wir nutzten das nördlich gelegene Betriebsgebäude und übernahmen nach Auflassung des Gösser- Bierdepots auch selbiges.

Schon während der Nutzung durch die Walddorfschule wurde laut seiner Aussage ein Teil des Gebäudes zum Billiardsalon und Gastrobetrieb umgebaut.


1990 – 1993
war jedenfalls das „Café Snooker“ in den früheren Räumlichkeiten der Walddorfschule angesiedelt (Berichte von ehemaligen Gästen und ZeitzeugInnen), in dieser Zeit wurde wohl auch die noch heute stehende Terrasse gebaut.

Das Café war laut ZeitzeugInnen „finster gewerberechtlich“ organisiert (d.h. vermutlich nicht richtig angemeldet). Es gab billiges Bier und Schnitzel, zuerst im Hof auf Bierbänken, dann auf der Terrasse und laut einem Besucher von damals eine „sehr hübsche Kellnerin“, drinnen Spielautomaten und Snookertische und viele studentische Gäste. „Ein Snooker war mal drüben. Das war so das Bermuda-Dreieck. Der Snooker mit dem Bierstindl und das Utopia. Da wo das Weekender jetzt ist…vor ungefähr 20 Jahren.“ (ehemalige Gäste und ZeitzeugInnen)

 

ab ca. 1995 bis Anfang 2008 war der „Metallhandel Grassmayr“ und die „Brandschutz- und Feuerwehrtechnik Grassymayr“ am Gelände. Der Metallhandel gehörte bis 2002 zur Firma Grassmayr, dann wurde er vom jetzigen Betreiber (Thomas Fitz) übernommen. Seit 2008 ist er in der Feldstraße. Laut dem Geschäftsführer wurde auch übersiedelt, weil man nicht wusste, wie lange der Standort Grassmayrstr. Noch genutzt werden kann – schon damals war die neue Grassmyarkreuzung mit Untertunnelung ein Thema (die bis heute in der Schwebe ist). Zwischen ca. 2000-2003 war zusätzlich die Brandschutz- und Feuerwehrtechnik der Firma Grassmayr am Areal angesiedelt. (Metallhandel Grassmayr, Thomas Fitz, Johannes Grassmayr)

 

2011-2012 war „Car Clean X“, eine Autoaufbereitungs- und Reinigungsfirma vor Ort. Der damaliger Besitzer ist nach Deutschland verzogen. Von der Firma zeugen noch die Aufschriften auf den ehemaligen Garagentoren.
(Herr Balkan, ehemaliger Geschäftsführer)

 

Seit Herbst 2014 betreibt der Kulturverein Brache das Motel am Standort (siehe oben), auf der anderen Hälfte des Geländes werden teilweise Wohnungen vermietet und ein Würstelstand, der sonst in der Maria-Theresien-Straße steht, wird dort geparkt und gereinigt/ befüllt.

 

Hier handelt es sich nur um Auszüge der Nutzung, wir erheben keine Anspruch auf Vollständigkeit!

Foto: Vinzenz Mell

GESCHICHTE(N)? HER DAMIT! – Eröffnungsveranstaltung
28. MAI 2015 ab 18.00 // drinnen und draußen
GRASSMAYRSTR. 23 („MOTEL“), INNSBRUCK

BILDGALERIE